Auf den Spuren Draculas

Transsilvanien ruft bei den meisten Menschen unweigerlich die Assoziation mit Dracula hervor. Gruslig ist die Region jedoch bei weitem nicht – im Gegenteil, es gibt viele schöne Gegenden und pulsierende Städte.

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ie Region Transsilvanien, auch Sieben­bürgen genannt, liegt im Zentrum Rumäniens inmitten der Karpaten. Der Name „Siebenbürgen“ geht auf die sieben Burgen zurück, die die ins Land geholten Sachsen auf Geheiß des ungarischen Königs zur Grenzsicherung gründeten. Über sieben Millionen Menschen leben in Siebenbürgen auf einer Fläche von 59.651 Quadratkilometern. Dementsprechend viel gibt es hier auch zu entdecken, auch bei einem kleinen Budget.

Wer sich zu einer Reise nach Transsilvanien entschließt, wird schnell feststellen, dass die Region mehr ist als die Heimat einer Legende.

Draculas Spuren

Bram Stokers legendärer Schauerroman Dracula geht auf den ehemaligen walachischen Fürsten Vlad III. zurück, der den Beinamen Drăculea trug. Dieser Name wurde bisweilen auch als „Sohn des Teufels“ verstanden, da das rumänische Wort „drac“ Teufel bedeutet. Entsprechend grausam war auch seine Herrschaft.

Schloss Bran, das Bram Stoker als Inspiration für Draculas Zuhause diente, liegt allerdings über hundert Kilo­meter vom eigentlichen Schauplatz entfernt in den dichten Wäldern des südlichen Karpatenbogens in der Nähe von Brasov. Majestätisch thront es auf einem Felsen und sieht aus, wie man sich ein Dracula-Schloss gemeinhin vorstellt: verwunschen und unheimlich. Das gruselige Image wurde dem Schloss allerdings nur angedichtet, in Wirklichkeit hat es weder mit der Romanfigur noch mit dem historischen Dracula etwas zu tun. Dennoch zählt Schloss Bran zu den beliebtesten Touristenzielen in Rumänien.

Das pure Leben

Nicht nur Hobbyhistoriker kommen in Transsilvanien mit den zahlreichen alten Bauten und Burgen voll auf ihre Kosten. In den ländlichen Gegenden rattern zwar immer noch Pferdewagen über die Straßen, doch Siebenbürgen ist lange nicht mehr so altmodisch, wie man vermuten mag. Cluj-Napoca wurde sogar zur Europäischen Jugendhauptstadt 2015 gekürt, und das nicht zu Unrecht. Die zweitgrößte Stadt Rumäniens bietet über 20.000 Studenten (zumindest vorübergehend) eine Heimat und ist damit quasi das transsilvanische Innsbruck.

 

 

Hier gibt es coole Clubs, gemütliche Lokale und auch einige sehenswerte Museen und Galerien – und das alles zu studentenfreundlichen Preisen. Auch Brasov zieht mindestens genauso viele Nachtschwärmer wie Vampirjäger an. Hotels findet man in den Städten bereits ab 25 Euro pro Nacht. Auch Privatunterkünfte sind im Kommen – die Plattform Airbnb verzeichnet immer mehr Einträge.

Reich an Natur

Jenseits der Städte siedeln sich in Siebenbürgen Tierpopulationen an, die man im westlichen Mitteleuropa nicht alle Tage sieht. So gibt es hier eine große Vielfalt an Insekten, Amphibien und typischen Wiesenvögeln, aber auch Raubtiere wie Wölfe, Luchse und einen Großteil von Rumäniens 6.000 Bären. Rumäniens Regierung erteilt zwar noch immer Jagdgenehmigungen für Tiere, die als Bedrohung gelten und bebaute Gebiete machen der Natur ihren Platz streitig. Außerdem war das Land früher berühmt für seine Bärenhetzjagden. Doch langsam findet ein Gesinnungswandel statt. Naturschutzgebiete wie Libearty und umweltbewusste Anbieter wie Ibis und Carpathian Nature Tours werden zunehmend beliebter und geben Siebenbürgens Naturschätzen die Beachtung zurück, die sie verdienen.