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u bist derzeit mit deinem zweiten Album „Hey“ auf Tour. War es schwierig, an den Erfolg des ersten anzuknüpfen?

Andreas Bourani: Man sagt immer, für die erste Platte hat man ein Leben lang Zeit, weil auch niemand darauf wartet. Bei der zweiten hat man schon etwas, worauf man zurückblicken kann. Vor allem der Song „Nur in meinem Kopf“ war auch im Radio sehr erfolgreich, und ich habe zuerst versucht, herauszufinden, was der Grund dafür sein könnte. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich auf einem Irrweg bin. Man kann den Erfolg nicht kreieren, man kann nicht kontrollieren, ob ein Song erfolgreich wird. Das Einzige, was ich beeinflussen kann, ist, mir Mühe zu geben, gute Ideen zu finden, aufmerksam zu bleiben, Dinge noch genauer zu beschreiben, damit sie nachvollziehbarer sind. Ich kann mich bemühen, in dem, was ich mache, noch besser zu werden.

 

Wovon handelt die Platte?

Also, ich hatte kein Thema für die Platte. Ich habe ungefähr zwei Jahre lang Ideen gesammelt, mir überlegt: Was passiert jetzt? Wie geht es mir gerade? Während des Schreibens ist mir dann aufgefallen, dass es sehr viel ums Loslassen ging, darum Dinge aufzugeben und Neues zu finden. Unbewusst habe ich darauf immer wieder den Fokus gelegt.

 

Das klingt danach, als würdest du dich sehr genau mit dem Leben auseinandersetzen …

Ja, das liegt einfach in meinem Charakter, dass ich viel über das Leben nachdenke. Ich suche auch immer nach einem Sinn in den Dingen, die ich erlebe. Das zeichnet sich auch in meinen Texten ab.

 

Du bist schon seit einiger Zeit auf Tour. Kommst du überhaupt noch dazu, Musik zu schreiben?

Ich habe schon bei der Veröffentlichung der ersten Platte gemerkt, dass man als Musiker die meiste Zeit unterwegs ist und über die Platte redet, sie promotet und Interviews gibt. Das Musikmachen kommt dabei ein bisschen zu kurz. Deswegen versuche ich auch, mir mehr Zeit fürs Schreiben, Musikmachen und Musizieren zu nehmen – auch tatsächlich Zeiten zu nutzen, wenn ich unterwegs bin.

Bourani

"Ich bin schon Optimist. Natürlich habe ich auch eine melancholische Seite, aber ich versuche, in den Dingen auch das Gute zu sehen. Jeder von uns hat sein Säckchen zu tragen, das Leben ist manchmal nicht fair."


Vor kurzem hast du dein erstes Live-Album veröffentlicht. Worauf kommt es an, wenn die Musik aus dem Studio auch auf der Bühne funktionieren soll?
Ich freue mich immer, die Lieder live zu spielen, zu gucken, wie sie bei den Fans ankommen. Es geht auch darum, wie Stücke miteinander verbunden werden – zum Beispiel aus dem ersten und zweiten Album –, das ist sehr spannend. Eine Live-Show muss eine gute Dynamik haben, und vor allem stellt sich die Frage, ob man die Stücke wie auf der Platte spielt oder in anderen Versionen. Das ist etwas, was Spaß macht, ein neuer Abschnitt: aus dem Studio rauszugehen, es dort aufgenommen zu haben, auf die Bühne zu gehen und das direkte Feedback des Publikums zu bekommen.

Gibt es etwas, was du deinem Publikum mitgeben möchtest?
Ich bin schon Optimist. Natürlich habe ich auch eine melancholische Seite, aber ich versuche, in den Dingen auch das Gute zu sehen. Jeder von uns hat sein Säckchen zu tragen, das Leben ist manchmal nicht fair. Es geht darum, weiterzugehen, nie aufzuhören, mit dem was man macht. Man soll seine Integrität nicht verlieren, und dafür braucht man auch eine Prise Optimismus. Ich zumindest brauche das, immer wieder Energie zu finden und zu sagen: Mir geht’s gut, ich hab Bock.

 

Vielen Dank für das Gespräch.