Man glaubt nicht, was alles möglich ist

Lukas Steiner gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Freerunnern Österreichs. Fünf Mal nahm er an der Red Bull Art of Motion teil und landete stets in den Top Ten. Für viel Rampenlicht sorgten seine zahlreichen Fernsehauftritte, unter anderem 2010 bei „Wetten, dass..?“. Dass er mit 4,26 Metern auch den „Longest Backflip“ landete und somit im Guinness Buch der Rekorde steht, komplettiert seine Erfolgsgeschichte.

Fotos: Bernhard Zabernig/Stefan Walser

Was ist dein Beruf?

Lukas Steiner: Oje, diese Frage ist nicht so ganz einfach zu beantworten. Bei mir hat das immer wieder gewechselt, aber inzwischen würde ich mich als Trainer bezeichnen. Genau genommen bedeutet das, dass ich Fitness- und Athletik-Trainer bin, aber auch Vorträge halte und als Dozent an der Bundessportakademie einen Beitrag zur Ausbildung junger Trainer leiste.

 

Wann hast du mit Freerunning begonnen und wie bist du dazu gekommen?

Ich muss sagen, dass ich als Kind leidenschaftlich gerne geturnt habe. Da mein Vater im Turnverein Wattens aktiv war, ergab sich 2006 die Möglichkeit, in der alten Halle Salti zu springen. Zugleich tauchten im Internet Videos auf, die eine Mischung aus Kampfsport und Akrobatik waren. Das hat mir gefallen und ich habe – aus heutiger Sicht – mit dem Freerunning begonnen. 2007 wurde ich von Red Bull zum ersten Contest nach Wien eingeladen. Na ja, mit mäßigem Erfolg, da waren andere schon viel weiter als ich.

Was waren bisher deine persönlichen Highlights und welches Projekt hat dir am meisten Spaß gemacht?

Mein Highlight? Daran kann ich mich noch gut er innern, es war mein erster Backflip-Weltrekord. Ich war damals in Peking und war bei einem gigantischen Guinness-Buch-Event dabei. Spaß hatte ich bei allem, was ich gemacht habe, dass ich 2009 bei der Red Bull Art of Motion den 4. Platz erzielt habe, war ein weiterer Meilenstein meiner Karriere. Freerunning sieht immer cool aus und vermittelt sehr viel positive Energie – am liebsten möchte man selber gleich loslaufen und mitmachen.

 

Was rätst du Jugendlichen, die mit diesem Sport anfangen möchten?

Die coolen Videos, die man im Internet sieht, sind bei uns meist nicht umsetzbar, dafür ist Tirol zu wenig urban. Aber man sollte mit dem arbeiten, was da ist – zum Beispiel mit der Natur –, und man sollte immer wissen, was der eigene Körper kann und was nicht. Es geht also um die richtige Herangehensweise, diese sollte man vorher lernen, das Weitere ergibt sich dann.

 

Du hast mittlerweile ja eine eigene Schule in Wattens. Was kann man in der „TVW 4 Elements Academy“ eigentlich lernen?

Wir haben das klassische Turnangebot, bieten aber auch HipHop, Rhythmic Playground, Trampolinspringen und natürlich Freerunning und Parkour an. Ganz wichtig ist uns aber, dass sich jeder ohne Druck weiterentwickeln kann, es gibt keinen Wettbewerb und alles beruht auf Freiwilligkeit.

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LUKAS STEINER IM WORD-RAP

  • Dein Motto: selbstbestimmt leben
  • Dein Ziel: selbstbestimmt leben
  • Lieblingsfernsehserie: habe meinen Fernsehen vor fünf Jahren abgemeldet
  • Lieblingsfilm: Thriller wie „The Departed“, „Matrix“, „Fight Club“ und „AmericanHistory X“
  • Lieblingsband: Metallica
  • Lieblingsessen: alles, was meine Freundin kocht
  • Lieblingsurlaubsland: Kroatien (und irgendwann möchte ich mal nach Neuseeland)

Gibt es eine Freerunner-Szene in Tirol und wie würdest du sie beschreiben?

Die Szene in Tirol ist eher klein und im Gegensatz zu Wien gibt es hier keine Straßenkultur, sondern es spielt sich viel in Trainingszentren ab. In meiner Freerunning-Akademie trainieren rund 250 Menschen, dann gibt es noch eine kleine Gruppe in Telfs und Wörgl.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen Freerunning und Parkour? 

Ja, es gibt einen. Bei Parkour geht es darum, mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers so effizient wie möglich von A nach B zu kommen. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel. Beim Freerunning ist der Weg entscheidend, es dreht sich um das kreative Sich-Bewegen und nicht um das Ziel. Eine Kombination aus beidem finde ich am besten.

 

Was sind deine Pläne für die Zukunft? 

Es gibt sehr viele Pläne, und die Frage, ob ich noch einmal selbst Wettkämpfe bestreite oder mich ganz dem Trainerdasein widme, ist auch noch nicht ganz geklärt. Eine weitere Herzensangelegenheit ist der erste Indoor- Freerunning-Parkour Österreichs, den wir im März 2014 in Wattens eröffnen konnten. Weiters möchte ich mich in die Aus- und Fortbildung junger Trainer einbringen und dafür sorgen, dass Menschen eine gewisse Selbstkompetenz für den eigenen Körper entwickeln. Wie gesagt, es gibt sehr viele Pläne ...

 

Danke für dieses Gespräch.