Der Geschichtenerzähler

Er ist einer der erfolgreichsten österreichischen Musiker der letzten Jahre – Chartstürmer Julian le Play im Interview!

Fotos: Thorwartl, kidizin sane, Klemm

Was ist das Besondere an deiner „Theater Tour“?

Julian le Play: Es ist eine Kampfansage an klassische Konzerte, wie man sie kennt. Ich finde Konzerte, bei denen der Sänger einfach nur seine Lieder herunterspielt und nichts sagt, meistens nicht so prickelnd. Wenn Leute extra zu uns ins Theater kommen, will ich, dass sie danach wirklich etwas erlebt haben. Wir basteln gerade an einem speziellen Bühnenbild, an neuen Song-Arrangements, wir nehmen extra einen Flügel, eine Posaune, ein Cello und andere neue Instrumente mit. Der ganze Abend steht unter dem Thema „Vier Jahreszeiten“ – was viel Platz für Geschichten und Bilder zu den Songs lässt. Wenn ich in Rovinj einen Song schreibe, gibt es meistens ein Erlebnis oder einen Gedanken dazu.

 

Mittlerweile hast du Bühnenerfahrung in Deutschland und Österreich. Gibt es Unterschiede in Bezug auf die Publikumsreaktionen?

Schon. In Österreich ist die Mitsingquote schon deutlich höher.

Österreich hat eine spannende junge Musikszene – bist du optimistisch, dass es irgendwann neue „Austro-Legenden“ à la Falco oder Fendrich geben wird?

Ob Künstler in Österreich selbst noch einmal so einen Status bekommen können, weiß ich nicht, ich glaube es eher nicht. Früher war die Medienwelt fokussierter auf Österreich, glaube ich – auch was Musik betrifft. Als Österreicher in Österreich wahrgenommen zu werden, war meinem Eindruck nach einfacher. Es gibt aber Künstler, die heute international vergleichbare Erfolge haben: Parov Stelar und Klangkarussell zum Beispiel. Und ja, es gibt viele, viele motivierte junge Künstler, die mit Austropop so gar nichts mehr am Hut haben.

 

Der Eurovision Song Contest findet 2015 in Wien statt. Welche Chance siehst du darin – für Musiker und für Österreich?

Ich sehe darin eine große Chance. In Schweden war der Songcontest-Sieg von Abba so etwas wie die Geburt der schwedischen Popmusik! Heute sind schwedische Bands und Produzenten weltweit erfolgreich. Die Schweden haben sogar ein eigenes Ministerium für Popkultur. Ich denke, man darf ruhig groß denken, immerhin wird für ein paar Tage die ganze Welt auf Österreich schauen. Ich glaube, der Sieg hat der ganzen Musikbranche einen Selbstbewusstseinskick gegeben – auch wenn er eigentlich nur Conchita zuzuschreiben ist.

Bei „Die große Chance“ werden gerade wieder neue Talente gesucht. Würdest du dich in eine Castingshow-Jury setzen?

Wenn ich dafür irgendeinem Grantler, Selbstdarsteller oder jemandem, der keine Ahnung hat, wovon er spricht, den Platz wegnehmen würde, dann: ja! Ich weiß gut genug, wie es ist, von Leuten Feedback zu bekommen, die keine Ahnung haben. Natürlich muss es ein Format sein, von dem ich glaube, dass es wirklich etwas für die Künstler tun will und sie nicht nur ausnützt.

 

Dein letztes Album hast du in Rovinj, Istrien, geschrieben. Wo wird das nächste Album entstehen?

Das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten rausstellen. Ich bin Facebook-Fan von einer Seite namens „Amazing Places“. Die posten immer wieder wahnsinnig tolle Bilder von den schönsten Orten der Welt, so bin ich damals auch auf Rovinj gekommen. Vor kurzem haben sie ein Foto von Cinque Terre in Italien gepostet, zwei Wochen später bin ich mit meinem Auto durch die Toskana gecruist und habe Songs geschrieben ... Mal schauen, was sie als nächstes posten!

 

Hast du eigentlich noch Lampenfieber?

Natürlich! Ohne Lampenfieber wär’s ja nur halb so spannend.

 

Vielen Dank für das Gespräch.