Das neue Kletterzentrum Innsbruck (kurz ki) eröffnete am 15. Mai am Sillside in der Matthias-Schmid-Straße 12 und gilt als die größte Kletterhalle der Welt, die aus einem Guss gebaut wurde. 5.700 m2 reine Kletterfläche, auf der sich Anfänger, Kletterliebhaber und Profis versuchen und austoben können. Betrieben wird das ki von der Alpenverein Kletterzentrum Innsbruck GmbH, deren Geschäfts- führer Reini Scherer – Kletterprofi, Erfolgstrainer und bisheriger Geschäftsführer des Kletterzentrums Tivoli – ist.

Raiffeisen/Emanuel Kaser (alle)

Wordrap

 

Dein Motto: Möglichst bescheiden bleiben!

Lieblingsfilm: Harry und Sally

Lieblingsserie: Bei Serien zappe ich sofort weiter.

Lieblingsband: Keine konkrete, ich höre von Mozart über Pop bis House alles quer durch, je nach Stimmungslage.

Lieblingsessen: Schlipfkrapfen made in Osttirol

Lieblingsurlaubsland: Kroatien

M

agister in Sportwissenschaften und Italienisch, Trainer des Jahres, Bergführer, Ausbildner und Kursleiter, nationaler Schiedsrichter, Erstbegeher von über tausend Seillängen am Felsen, Erstbegeher von Dschungelfieber 8c+, ehemaliger Weltcupkletterer und in erster Linie Trainer der Weltelite wie David Lama, Angela Eiter, Johanna Ernst, Jakob Schubert, Anna Stöhr und der österreichischen Nationalmannschaft – eine sehr beeindruckende und unglaubliche Bilanz! Wie siehst du dich dabei? Reini Scherer: Im Grunde genommen habe ich aus der Not eine Tugend gemacht. Ich war Student, brauchte Geld, und so habe ich beim Alpenverein angefangen. Im Grunde entstand aus der Leidenschaft dann ein Beruf. Durch Zufall, Glück, Einsatz, Weitblick und Beharrlichkeit hat sich rückblickend mein Werdegang ergeben. Dazu, wie man Talente entdeckt, kann ich nur so viel sagen: Ein Talent setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen. Die Basis ist das Bewegungstalent, dann muss noch die muskuläre und körperliche Struktur zum Sport passen. Aber was wäre das alles ohne mentale Stärke und Durchhaltevermögen? Gerade diese beiden Eigenschaften sind schwer zu erkennen. 

 

Die Jugend- & Junioren-WM 2017 (30. August bis 10. September) wird mit rund 1.400 jungen Sportkletterern von 14 bis 19 Jahren aus 60 Ländern die Generalprobe für die IFSC Kletter-WM 2018. Welche Erwartungen hast du an die zwei Großbewerbe? Bei der Planung der Kletterhalle wurden die notwendigen logistischen Abwicklungen für derartige Bewerbe mitgedacht. Die Teilnehmer können sich im Innenbereich aufwärmen und die Bewerbe finden im Außenareal statt. Das Kunststück ist, dass dadurch der Alltagsbetrieb nicht eingeschränkt wird und die Zuschauer selber auch klettern können. Das war ein ganz klarer Wunsch von mir. Wie bei einem Skirennen: Man kann zuschauen, aber auch selber fahren. Es wird sich zeigen, ob alles so läuft wie gedacht.

Wann hast du mit dem Klettern begonnen? Wie bist du zu dem Sport gekommen und wer hat dein Talent entdeckt? Wie schon gesagt, habe ich die Leidenschaft zum Beruf gemacht. 1986/87 fanden die ersten Staatsmeisterschaften, an denen ich teilnahm, statt. Selber bin ich bis 1993 geklettert. Dass ich mein Talent sozusagen selber entdeckt habe, soll jetzt aber nicht nach Selbstlob klingen.

 

Es wird darüber gesprochen, dass die österreichischen Nationalmannschaft weniger erfolgreich ist, weil es zu wenige Trainingsmöglichkeiten gibt. Ist aufgrund der neuen Halle eine Rückkehr garantiert oder hat das andere Gründe? Ich sehe die Situation etwas differenzierter und vergleiche sie gerne mit Hansi Hinterseer. Viele behaupten, dass er es früher ja leicht gehabt habe. Aber dass der Sport sowohl früher als auch jetzt viel Einsatz benötigt, das vergisst man leicht. Bei Marcel Hirscher kommt der Erfolg auch nicht von ungefähr. In meiner Zeit mussten wir uns ebenfalls vom Niemandsland hoch-„klettern“. Und so kam es, dass Killian Fischhuber zum mehrfachen Weltcup-Gewinner avancierte und David Lama zur Weltelite kletterte. Es gibt immer Wellenbewegungen, einmal nach oben und dann mal nach unten, das ist so im Sport.

Was fasziniert dich am Klettern? Klettern ist etwas extrem Kreatives. Jede Route ist anders und es ist jedes Mal eine neue Herausforderung, der du dich stellen musst. Keine Bewegung, die du machst, gleicht der anderen. Zudem gibt es keine Rahmenbedingungen, lediglich die Natur bestimmt deinen Weg.

 

Hast du eine Lieblingsroute? Ja, es ist immer die letzte Route, die ich eingebohrt habe.

 

Was machst du, wenn du mal nicht kletterst? Ich liebe Skifahren. Das Sportliche rückt bei mir immer wieder in den Vordergrund. Ich kombiniere es dann auch sehr gerne mit einer Reise.

 

Welche Ziele und Pläne stehen bei dir in (naher) Zukunft noch an? Ganz klar, runter vom Gas und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen sowie Zeit für mich einplanen, um wieder selbst zu klettern.

 

Was sind deine Hauptaufgaben als Geschäftsführer der Kletterhalle? Allen voran steht die sportliche Organisation der Halle, dazu gehört auch der Routenbau. Weiters ist es wichtig, für die Sicherheit zu sorgen. Auch die Teamführung der Mitarbeiter ist ein wesentlicher Bestandteil, schließlich beschäftigt das ki 30 Personen. Und zu guter Letzt bin ich auch für die Präsentation und Bewerbung der Halle nach außen zuständig.

 

Vielen Dank für das Gespräch.