Der Schneekönig im Glück

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Der 29-jährige Salzburger mit holländischen Wurzeln steht seit seinem zweiten Lebensjahr auf den Skiern. Heute ist er der beste Skifahrer der Welt und hält Rückschau auf eine traumhafte Saison, mit der er nicht nur Skisportfans, sondern vor allem sich selbst überrascht hat. Diesen Sommer erfüllte sich auch privat ein Traum: Marcel heiratete im Juni seine langjährige Freundin Laura auf Ibiza, und die beiden werden erstmals Eltern. Zur Freude aller Skisportfans: Marcel Hirscher startet am 28. Oktober mit dem Riesentorlauf in Sölden in die neue Weltcupsaison.

Marcel, die Rennsaison 2017/18 brachte dir ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem Knöchelbruch beim Training im August vor einem Jahr standen sogar Gedanken vom Karriereende im Raum. Jetzt blickst du auf die beste Saison deines Lebens zurück mit Olympia-Gold in Pyeongchang in der Kombi und im Riesenslalom und der Großen Kristallkugel im Weltcup, die du bereits zum siebten Mal erobert hast. Was hat das in dir ausgelöst?
Marcel Hirscher: Ich konnte das für mich alles nicht sofort realisieren, sondern brauchte erst einmal ein paar Wochen für mich, um das zu verarbeiten.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du ganz oben auf dem Podest stehst, die rot-weiß-rote Flagge gehisst und die österreichische Bundeshymne gespielt wird?
Das sind Momente ganz für mich, in denen ich sehr, sehr anwesend und dankbar bin: den vielen Menschen, die das immer wieder möglich gemacht haben, und dass ich diesen Traum so (er-)leben darf.

Durch deinen Unfall hatten dir 5.000 Tore an Trainingseinheiten gefehlt. Trainierst du auch im Kopf und wie viele Tore fährst du in einer Saison?
Ja, das tue ich tatsächlich, aber auch unabhängig von gebrochenen Knöcheln. Das ist vielleicht eine Art „Berufskrankheit“. Und tatsächlich hilft es natürlich viel nach einer Besichtigung. Tore pro Saison? Ein paar Tausend kommen schon zusammen, aber gezählt habe ich sie noch nie.

Du bist für viele Sportler, aber auch für Menschen aus anderen Berufen und für die Jugend ein Vorbild. Dass du hart an dir arbeitest und die mentale Stärke hast, um das Beste aus dir herauszuholen und punktgenau abzurufen, das fasziniert uns alle. Was bedeutet es für dich, ein Vorbild zu sein, und worauf bist du besonders stolz?

Ich denke, es ist eine große Verantwortung. Und diese nehme ich nach meinem besten Wissen und Gewissen auch sehr ernst. Stolz macht es mich, wenn Kinder (auch meinetwegen) nach Bewegung und Sport streben und Ziele erreichen wollen.


Hast du selbst Vorbilder, die dich inspirieren?

Ja, klar! Und das geht oft über den Sport hinaus. Inspiration geht von vielen Menschen aus, denen ich begegne.

Was verdankst du deinem Vater Ferdinand?
Das würde hier mehr als den Rahmen sprengen … unter anderem das Leben an sich.

Deine Mutter Sylvia stammt aus Den Haag und viele Fans aus den Niederlanden fiebern mit dir mit. Fühlst du dich auch als Niederländer und sprichst du die Sprache?
Ja, ich fühl mich schon auch mit Holland verbunden, vor allem wenn wir im Sommer hinfahren. Und dann bin ich auch immer sehr froh, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin.