Der Globetrotter

In sechs Jahren 60 Länder auf fünf Kontinenten bereisen, das ist wohl die geilste Lücke im Lebenslauf, und zwar in dem von Nick Martin. Der Weltenbummler ließ 2009 alles hinter sich und kaufte ein One-Way-Ticket nach Mexiko. Statt der geplanten einjährigen Weltreise wurden daraus sechs Jahre. Im Interview erzählt er über sein unglaubliches Abenteuer und gibt Tipps für Weltreisen.

Fotos: Nick Martin (alle)
W

ie schwer ist dir damals die Entscheidung gefallen, alles hinzuschmeißen und dich in eine Reise ins Unbekannte zu stürzen? Nick martin: Ehrlich gesagt, fiel mir das sogar sehr schwer. Auszubrechen, alles hinter sich zu lassen und ohne Sicherheitsnetz in die weite Welt marschieren – das ist nicht unbedingt eine Komfortzone. Auch mein persönliches Umfeld stand meinem Vorhaben eher kritisch gegenüber. Jetzt, nach sieben Jahren, muss ich sagen, dass es völlig normal ist, Angst zu haben. Wir stehen Veränderungen normalerweise sehr kritisch gegenüber und haben deshalb Angst vor dem Ungewissen. Aber im Nachhinein war es die beste Entscheidung meines Lebens, den Job zu kündigen und einfach die Welt für mich zu entdecken.

 

Eine Lücke im Lebenslauf wird von Familien, Freunden und Gesellschaft nicht nur positiv gesehen. Wie war deine Erfahrung und was rätst du anderen, die sich „rechtfertigen“ müssen?

Ja, wenn man „gegen den Strom“ schwimmt, sieht man sich sehr häufig in der Situation, sich gegenüber anderen zu rechtfertigen. Meine Reisen haben mich jedoch gelehrt, dass es letztendlich keinen wirklich interessiert. 

 

Wir sind alle etwas egoistisch veranlagt, und wenn wir abends im Bett liegen, dann denken wir fast alle nur an unsere eigenen Herausforderungen. Egal, welchen Traum du verfolgs:, Es ist wichtig, diesen einfach für dich zu leben. Letztendlich ist es DEIN Leben und du bist der/die Einzige, der/die es leben darf. Daher mein Tipp: einfach auf dein Herz hören und machen. Live life to the fullest!

 

Was ist für dich das entscheidende Argument, ob dir ein Ort oder Land gefällt oder nicht?

Wenn man mich nach einer Lieblingsdestination fragt, antworte ich damit: „Es kommt nicht auf den Ort an, ob es einem gefällt, sondern vielmehr auf die Leute und die Erfahrungen, die man vor Ort macht.“ Denn das ist die wahre Magie, warum wir einen Ort oder eine Destination schön finden oder nicht.

 

Gibt es eine spezielle Begegnung auf deinen vielen Reisen, die du nie mehr vergessen wirst?

Ja, da gibt es einige. Puh, wo soll ich anfangen? Ein Zahnarzt aus El Salvador (er wurde ein sehr guter Freund von mir) hat mich total umgehauen, als er mir sein Zuhause in Soyapango (Gangsterviertel in San Salvador) gezeigt hat und ich erleben durfte, wie man dort lebt.

 

 

Im Rahmen seiner Herbst-Tour 2017 macht Nick Martin auch Halt in Österreich: 14. Oktober, Innsbruck, CCB Universität, 18 Uhr

 

facebook.com/6JahreWeltreisen

Diese Erlebnisse lassen dich unwahrscheinlich reifen und zeigen dir auf, dass du nicht alles planen kannst. Beim Reisen kommt man sehr oft mit Situationen außerhalb der Komfortzone in Berührung. Und das ich auch gut so.

 

Wie konntest du die insgesamt sechs Jahre Weltreise bezahlen?

Wo ein Wille, da auch ein Weg. Das hört sich doof an, ist aber wirklich so. Ich habe meine Work&Travel-Visa in Australien und Neuseeland genutzt. Ich weiß, für Österreich ist das nicht so einfach. Aber ich habe etliche Nationen getroffen, die ihre Weltreisen auch durch Cash-in-Hand-Jobs verwirklicht haben. Es gibt immer einen Weg. Dann durfte ich sogar sechs Monate lang durch die Welt reisen und als Reisejournalist arbeiten und wurde dafür bezahlt. Meiner Meinung nach kommt es auf die Prioritäten an.

Am Anfang habe ich mir Geld angespart, das heißt, ich habe meine Kosten gegen Null reduziert und habe noch einen zweiten Job angenommen, um mir meinen Traum vom Reisen zu verwirklichen. Es ist eine Frage deiner persönlichen Prioritäten.

 

Hattest du jemals Heimweh und was hat dich nach der langen Zeit in der Ferne dazu bewegt, wieder nach Hause zu kommen?

Klar gibt es Momente, die ich lieber zu Hause mit meinen Freunden oder meiner Familie verbringen würde. Zu Weihnachten ist das meist sehr stark. Aber um ehrlich zu sein, wirkliches Heimweh würde ich es nicht nennen. Ich wusste einfach, dass es mein Weg ist, den ich gehen musste. Während das Leben von Freunden und Familie zu Hause auch weitergeht, war mein Leben das Reisen: Abenteuer erleben, neue Kulturen für mich entdecken und Stories für das Leben sammeln.

Weltreise-Tipps vom Profi

 

Richtig packen: Alles zusammen aufs Bett legen und dann nur die Hälfte davon mitnehmen

 

So spart man Geld: selber kochen, langsam reisen, lokale Transportmittel nutzen

 

Hilfreiche Apps: Google Maps oder MapsMe, MyWährungsrechner, Couchsurfing

 

Secret-Escape-Plätze: Blue Lagoon in Dahab Ägypten, Cortes Island in Kanada und noch so ein paar Inseln, welche ich jetzt aber nicht nenne, sonst sind die ja nicht mehr secret.

 

Das muss man immer mit sich tragen: gesunden Menschenverstand (street smart), Open Mindset und immer bereit für einen Lacher