„Aufs eigene Bauchgefühl hören“

Freeride-Weltmeisterin Manuela Mandl im Interview

Foto: Moritz Ablinger (2)

Manuela Mandl

  • Alter: 30 
  • Geburtsort/Wohnort: Wien/Innsbruck
  • Größte Vorbilder: Xavier de le Rue und Bertha von Suttner
  • Beste Snowboard-Location: Die Alpen – von Ost bis West
  • Drop-in mit dem größten Adrenalin-Kick: Hangerer und Bec de Rosses
  • Nie unterwegs ohne: Freunde
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ie und wann bist du als „Stadtkind“ zum Snowboarden gekommen? Hast du dich jemals auf Skiern versucht? Manuela Mandl: Meine Eltern haben mich mit drei Jahren auf Ski gestellt und schon davor im Rückentragerl auf der Piste dabeigehabt, das war in den 90ern normal. Wir Kinder haben auch ein paar spektakuläre Stürze auf dem Rücken unserer Eltern mitgemacht. Snowboarden hab ich erst mit 14 begonnen – weil mir Skifahren zu fad wurde. Zu der Zeit wusste ich nichts vom Freeskiing. Ich habe das Glück, dass ich alle Winterferien immer in der Obersteierrmark im Schnee verbringen durfte. Und wenn ich schon in den Bergen war, wollte ich immer Vollgas geben, bei allen Bedingungen.

 

Wann hast du dann mit dem Freeriden begonnen? Was hat dich daran gereizt? Als Kinder sind wir immer diverse Waldwege und Lifttrassen gefahren, das hab ich mit dem Snowboard auch super gefunden, auch wenn’s am Anfang echt schwer war. Mit so 15, 16 Jahren hab ich dann einige Locals im Ennstal kennengelernt, die mich das erste Mal auf größere Lines in den Schladminger Tauern und am Dachstein mitgenommen haben.

 

Freeriden liegt derzeit voll im Trend, allerdings ist der Sport nach wie vor (noch) stark von Männern dominiert. Welche Tipps hast du für junge Frauen, die professionell freeriden wollen? Das Wichtigste ist: Sich auf sich selbst besinnen und sich nicht auf irgendwelche gesellschaftlichen Klischees einengen lassen. Alle Menschen haben Respekt vor dem Berg, die Jungs haben genau gleich viel Angst vor ihrem ersten Drop, nur werden sie eher bestärkt, ein bisschen mehr zu riskieren, während man Frauen und Mädchen eher bestärkt, weniger zu riskieren.

 

Einfach aufs eigene Bauchgefühl hören und auch kurz nachdenken: Hat ein Sturz in der Situation gröbere Konsequenzen? Wenn nicht, kann man’s ja einfach mal probieren … Am meisten lernt man, wenn man stürzt. Ein Sturz ist auch kein Versagen, sondern eben Teil des Lernprozesses. Und auch wirklich bei allen Schneebedingungen rausgehen.

 

Gerade in Tirol gibt’s zum Glück auch wirklich viele extrem sportliche, starke und coole Frauen, die eine Inspiration sind – in Innsbruck zum Beispiel die Outdoorchicks.

Freeriden setzt eine gewisse körperliche Fitness voraus: Worauf kommt es an? Wie bereitet man sich am besten auf diese Sportart vor? Für alle Menschen, die den Sport jetzt nicht auf dem allerhöchsten Niveau ausüben wollen, reicht ein aktiver Lebensstil und eine gezielte Saisonvorbereitung mit exzentrischem Beintraining, Highjumps, Core Training, klassischen Kniebeugen in verschiedenen Variationen und Übungen auf instabilem Untergrund etwa zwanzig Minuten drei Mal in der Woche. Das geht auch daheim, auf dem Weg zur Arbeit, beim Zähneputzen und so weiter. Und wenn man sich mal daran gewöhnt hat, macht’s auch echt Spaß …

 

Safety First! Welche Maßnahmen ergreifst du, um sicherheitstechnisch immer auf dem neuesten Stand zu sein? Jedes Jahr am Anfang der Saison gehen wir, also meine Shred Buddies und ich, gemeinsam die Routinen durch, machen LVS-Suchspiele und sprechen über alpine Gefahren, um das Wissen wieder aufzufrischen. Immer wieder besuche ich auch Vorträge und Camps, zum Beispiel die Safety Academy, Vorträge im Rahmen der Alpinmesse Innsbruck, Camps von „Die Bergstation“ oder SAAC Camps.

 

In den Alpen haben wir ziemlich gute Lawinenlageberichte, anderswo muss man schon selbst Schneeprofile graben und einige Tage investieren, um ein Gefühl für den Schneedeckenaufbau zu bekommen.

 

Und natürlich hab ich immer, wirklich immer, die gesamte Sicherheitsausrüstung, also Schaufel, Sonde, Pieps, Erste-Hilfe-Paket, Handy und meistens den ABS-Rucksack mit dabei. Weil wenn man ehrlich ist: An jedem Tag wird’s irgendeine Möglichkeit geben, im Gelände zu fahren.

 

Du hast beim Verbier Xtreme den WM-Titel geholt und dich letztes Jahr bei Open Faces in Obergurgl-Hochgurgl wieder für die Freeride World Tour qualifiziert. Bist du heuer auch wieder bei Open Faces am Start? Was gefällt dir besonders an dieser Veranstaltung? Der Hangerer, also das Contest Face beim Open Faces in Obergurgl-Hochgurgl, ist echt ein respekteinflößender Hang, der extrem viele Möglichkeiten bietet. Und die Kulisse inmitten der Ötztaler Alpen mit den vielen Gletschern ist ziemlich beeindruckend.

Wordrap

  • Wenn ich ins Hotel einchecke, dann schreibe ich ins Feld „Beruf“: Sportlerin, und meistens trau ich mich das nicht und lass das Feld leer :-)
  • In meinem Kühlschrank findet man immer: Ingwer
  • Ich bekomme Gänsehaut, wenn … eine Line genau so aufgeht, wie ich mir das vorgestellt habe. Und in einem Spot genau der Schnee ist, den ich erwartet hab.
  • Davon kann ich nie genug bekommen: Berge, Freunde, Inspiration und gute Vibes